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Im Rahmen einer Flugschau auf dem Gloucestershire Airport bei Staverton (südöstlich von Birmingham) wurde durch die Firma Midwest ein Wankelmotoren-Wochenende veranstaltet, zu dem alle interessierten Gruppen zur Teilnahme eingeladen worden waren. Dies sollte eine gute Gelegenheit sein, das Wankel-Flugmotoren-Programm der Firma Mid-West im Einsatz zu sehen. Neben dem aktuellen Stand der eigenen Wankelentwicklungen für den Leichtflugzeugbau wurde eine Ausstellung mit historischen Marksteinen der Kreiskolbenmotorentwicklung zusammengetragen. Termin war der 20. und 21. Juni 1998.
Am 19. Juni morgens starteten Claus und Gerhard um an den "Rotary Days" in Gloucestershire teilzunehmen. Die Fahrt wurde natürlich stilgerecht mit einem Wankelfahrzeug , Claus RX 7 Cabrio angegangen. Also auf geht's nach England in den mittleren Westen zu Mid-West Engines Ltd in Gloucestershire. Nachdem wir uns meistens auf Autobahnen durch Deutschland, Holland und Belgien bis in die Nähe von Brüssel durch das Freitagsverkehrsgewühl gekämpft hatten, machten wir erst mal eine NSU-Besichtigungspause bei Familie Rooselair nahe Brüssel.
Von Brüssel aus ging es noch weiter nach Calais in Frankreich zum Hoverport, wo wir wegen Vollauslastung fast 3 Stunden in der schönsten Sonne bis 21.00 Uhr warten mußten und erst unsere reservierte Überfahrt nehmen konnten. In 35 Minuten sind wir dann in 40 cm Höhe mit einem Hovercraft Flugboot über den Ärmelkanal geflogen. Wegen der fortgeschrittenen Zeit suchten wir uns kurz hinter Folkestone ein Bed & Breakfast-Quartier. Die Suche wurde zum Abenteuer, doch letztlich ging die ganze Aktion nach einigen Wirrungen noch gut aus und wie sagt der Engländer dann: "You got it!!" Am Samstagvormittag nahmen wir dann noch die letzten 300 km nach Glouchester unter die Räder. Und nicht vergessen, der Fahrer muß immer ganz links in der Gosse bleiben und kann endlich mal ganz nach rechts zum Überholen ausscheren und vorbeisausen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind auch die zahllosen wilden Kombination von ineinandergeschachtelten linksrum zu durchfahrenden Kreisverkehre.
Nach gut 1000 rotierend problemlos zurückgelegten Kilometern trafen wir dann am Samstagmittag dank Sue Deanes perfekter Anfahrtskizze auf dem Gloucestershire Airport ein. Für unser offenes Turbo-Cabrio wurde uns ein Plätzchen im Hangar von Mid-West freigehalten., denn bei dem englischen Wetter weiß man ja nie, ob nicht doch ein kleines Schäuerchen vorbeizieht. Bis zum Sonntagmittag war es übrigens das einzige Turbo Cabrio von Mazda. Auch andere Raritäten wie der Wankel-Spider von Norman Walker (welcher hierbei auch noch überraschend seinen Besitzer wechselte und sich zu dem Cosmo gesellte), das Cosmo-Coupé von Ivan Dutton, etliche RX 7 der ersten Generation (überwiegend aus der zweiten Serie) sowie einige Ro 80 waren der Einladung gefolgt.
Der Mid-West Engines Ltd Geschäftsführer Matthias Petry, übrigens ein Deutscher, übernahm für uns vor Ort persönlich die Vorführung der neuesten Entwicklungen. Ab und zu kann man ihn auch mit der Firmenflieger G-OMWE, natürlich mit "Smooooth ROTARY POWER" bestückt, am deutschen Himmel sehen.
Die mühsamen Zwischenschritte war in verschiedenen Zeitabschnitten auf dem Gelände in natura zu finden. Ein KM 48 mit 8 PS, dessen Konstruktion aus dem Jahr 1965 stammt, war senkrecht in einem Außenbordmotor verbaut. 1972 entstand aus dem KM 914 der KM 24 mit 294 cm3 Kammervolumen, der bereits 24 PS leistete und der bei Hercules in den Prototyp der W2000 eingebaut wurde. Daraus entstand schließlich der Sachs KC27 mit einer Leistung von 27 PS, der bekannt als Staubsauger der Hercules W2000 zu Vortrieb verhalf.
Die Mid-West Engines Ltd. baut gegenwärtig Einscheiben- und Zweischeiben Flugmotoren mit einem Einzelkammervolumen von 294 cm3. Sie sind ursprünglich entstanden aus der Nortonentwicklung. Die Leistung des vergaserbestückten Einscheibenmotors liegt bei 50 PS, der Zweischeiber liefert 95 PS bei 7500 rpm an der Propellerwelle, eine gerade in der Abschlußtestphase befindliche Zweischeiben Einspritzversion leistet 105 PS bei 7500 rpm an der Propellerwelle (110 PS an der Exzenterwelle).
Es gibt inzwischen Anwendungen für Ultraleichtflugzeuge, kommerzielle Kleinflugzeuge, Hubschrauber, Gokarts, Schneemobile, Antriebe für industrielle Anwendungen, Mini-Hoverkraft-Wettbewerbsmodelle mit 50 PS-Motor und einen Bergrennwagen Eigenbau mit Vierscheiben Motor aus zwei Norton Zweischeiben Triebwerken aufgebaut, der gegen die 2 Liter Konkurrenz antritt. Selbst David Garside, der Entwickler der bekannten Norton Wankelmotorräder war vor Ort und sah mit großer Begeisterung den aktuellen Stand der Motorenfertigung.
Beschäftigt werden gegenwärtig 30 Mitarbeiter und man sucht noch dringend Fachkräfte aus den Bereichen Konstruktion/ Design, Entwicklung, Produktion und QS-Systeme.
Die reine Drehbewegung und nahezu vollkommene dynamische Auswuchtung der Maschine stellt bei zunehmende Rotationsgeschwindigkeit keine Probleme dar. In der Praxis werden die Drehzahlen der Mid-West Maschinen nur dadurch begrenzt, daß eine zufriedenstellende Auslegung zwischen der gewünschten Abgabeleistung und der Maschinenlebensdauer eine hohe Sicherheitsreserve eingehalten wird.
Das Untersetzungsgetriebe, als wesentlicher Bestandteil der Mid-West Wankelmotoren und angepaßte Torsionsdämpfer lassen den Propeller sich verhältnismäßig langsam drehen. Das Untersetzungsverhältnis des Zweiläufermotors GAE100R z.B. läßt den Propeller sechs Energiepulse pro Umdrehung erfahren. Als Vergleichswert kann eine Viertaktmaschine mit zwölf Zylindern, eine vergleichbare Kraftentfaltung erzielen. Ähnlich kann der Einläufermotor GAE50R nach seiner Untersetzung 1:3 mit einem Sechszylindermotor verglichen werden,. Jede beobachtete Erschütterung, die von einer mittleren Mid-West-Maschine gefühlt wird, kann fast immer einer Unwucht am Propeller zugeschrieben werden.
In den separaten, peinlich sauberen und wohlgeordneten Montageräumen, die wegen der strengen Zertifizierungsrichtlinien nur durch Glasscheiben eingesehen werden konnten, konnte man die einzelnen Stufen einer Motorenmontage einsehen.
Auf drei direkt angegliederten Leistungsprüfständen werden alle Motoren Ein- und Zweischeibenmotoren eingefahren und einem ausgiebigen Leistungstest unterzogen. Eine ganze Reihe verpackter Motoren wartete bereits auf die Auslieferung.
In der Prototyp-Phase ist gegenwärtig ein Vierrotor Flugmotor, der auch für kommerzielle Flugzeuge eingesetzt werden soll. Hierbei werden die zwei neu entwickelten Seitenteile und ein zentrales Untersetzungsgetriebe, mit den beiden nebeneinander liegenden Doppelrotoren zu einem kompakten Block verschraubt. Die meisten Bauteile können aus der laufenden Serie genommen werden, doch wegen der spiegelbildlichen Anordnung der zweiten Motorhälfte mußten die selbstentwicklete Wasserpumpe auf der Exzenterwelle und die Kühlluftpumpe zur Rotorkühlung seitenverkehrt neu abgegossen werden. Eine ansprechende und pfiffige Lösung!
Ein Segelflugzeug vom Segelflugzeugbau Alexander Schleicher aus Poppenhausen/Wasserkuppe mit klappbarem Einscheiben Wankel-Hilfsmotor war natürlich auch zu besichtigen. Im Segelbetrieb verschwindet der komplette Hilfsantrieb im Rumpf direkt hinter dem Cockpit und der Pilot genießt das dahingleiten.
Der angehende Flugzeugbauer konnte direkt vor Ort einen kleinen Cobra Doppeldecker, der in England als Bausatz angeboten wird, mit allen Bauunterlagen in Augenschein nehmen. Wegen eines seitlich umklappbaren Flügels ist der Miniflieger sehr platzsparend in einer Garage einzulagern. Als Antrieb dient hier der Harrier AE50, die 50 PS Einläuferversion des Mid-West-Wankels.
Die Firmenmaschine der Mid-West Engines Ltd ist natürlich mit der neuesten Zweischeibenwankeltechnik mit selbstentwickleter Motorelektronik mit verteilerloser Zündanlage und elektronischer Benzineinspritzung ausgerüstet. Der kleine Flieger hat eine maximale Startleistung von 105 PS und ist schon auf etlichen europäischen Flugschauen ( ILA 98, Epinal 98 etc.) vorgestellt worden.
Um die noch relativ teuren Kleinserienmotoren preisgünstiger herstellen zu können sucht Mid-West Engines Ltd noch Anwendungen für ihre Motoren. Denn mit wachsender Stückzahl sinkt mit Sicherheit auch der Herstellungspreis erheblich. Und Wankelmotoren sind ja nicht nur für Flugzeuge gut geeignet. Ich könnte mir so eine wilde Hummel auch gut in meinem Spider vorstellen. Kammervolumen, Leistung, Größe und Gewicht stimmen, nur der abgehobene Luftfahrtpreis schreckt noch...
Aus der neueren Wankel-Erfolgsgeschichte war die gelb-blaue Duckhams Norton von 1994 ausgestellt, mit ihr belegte Ian Simpson 20 erste Plätze und wurde Meister der British Super Cup Championship. Das 588 cm3 Triebwerk verhilft der 134 kg wiegenden Maschine mit ihrem Sechsganggetriebe zu einer Spitzengeschwindigkeit von 190 mph (ca. 300 km/h).
Sonntagmittag machten wir uns bei bestem Wetter wieder auf den Rückweg nach Dover, wo wir diesmal die Schnellfähre Seacat, ein Zweirumpf Hochgeschwindigkeits-Turbinenfährschiff nach Oostende versuchten Montagmorgen gegen 4 waren wir total erledigt wieder in Minden.
CK & GeGe
Bei Startproblemen mit seinem Ro 80 kann er mit einem kleinen Kästchen seiner HKZ-Zündanlage vorgaukeln, daß sein Ro-Motor schon mit 6000 min-1 dreht, obwohl er noch keinen Tropfen Benzin angesaugt hat. Dabei brennt die HKZ erbarmungslos alle Kohlekurzschlußbrücken weg und wärmt die Kerzen für die nachfolgende Arbeit vor. Doch ein guter Ro 80 braucht dies ganzen Aktion eigentlich gar nicht, doch man weiß ja nie wie es im Ernstfall mal kommt. Der kluge Mann baut vor.
CK & GeGe